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Български държавни железници
Allgemeine Fakten
  • Staatseisenbahn
  • Bulgarien
Inhalt

Die Bulgarische Staatseisenbahn ist ein staatliches Unternehmen in Bulgarien und das größte Eisenbahnunternehmen Bulgariens. Die Bulgarische Staatseisenbahn ist ein Aktienunternehmen, sie hat eine für Bulgarien spezifische Gesellschaftsform, die mit EAD abgekürzt wird. Das steht für eine Aktiengesellschaft, die nur ein einziges Mitglied, den Besitzer, hat.
Die Bulgarische Staatsbahn wurde 1888 gegründet und hatte das Staatsmonopol auf den Eisenbahntransport in Bulgarien.
Zum 01.01.2002 wurde die Bahn in eine Betreiber- und eine Infrastrukturgesellschaft umgewandelt.
Im Rahmen des bulgarischen EU-Beitritts fiel auch das Monopol der bulgarischen Staatsbahn. Seit 2004 gibt es neben der bulgarischen Staatsbahn noch eine private bulgarisch-rumänische Bahngesellschaft.

Bis 2002 gehörte der Bulgarischen Staatseisenbahn auch der überwiegende Teil des Schienennetzes und der Eisenbahninfrastruktur. 2002 wurde die bulgarische Staatseisenbahn in eine Bahnbetriebsgesellschaft auf Aktien für den Bahnbetrieb und eine Infrastrukturgesellschaft für das Schienennetz und die Infrastruktur aufgeteilt. Die Infrastrukturgesellschaft hatte 2007 ca. 16.000 Beschäftigte und war damit nach der BDZ EAD und noch vor der bulgarischen Post der zweitgrößte Arbeitgeber Bulgariens.
Die Bahnbetriebsgesellschaft hat ca. 18.000 Beschäftigte und ist damit der größte Arbeitgeber Bulgariens. Sowohl die Bahnbetriebsgesellschaft, als auch die Infrastrukturgesellschaft haben ihren Firmensitz in der Hauptstadt Sofia.

Die Geschichte der Bulgarischen Staatseisenbahnen ist eng mit der allgemeinen bulgarischen Geschichte verknüpft und kann in folgende historische Abschnitte unterteilt werden:
  • Bahnlinie Russe-Warna (1864-1885)
Am 07.11.1866 wurde die erste Eisenbahnlinie zwischen Russe und Warna (Varna) eröffnet. Die Bahnlinie hatte eine Länge von 224 Kilometer, 8 Bahnhöfe und Holzbrücken. Für die Kommunikation zwischen den Bahnstationen wurden Cardan-Telegraphen und später Morse-Telegraphen verwendet.
Diese Bahnlinie wurde 1864 bis 1866 von einer englischen Gesellschaft der Brüder Barclay gebaut, deren Hauptaktionäre William Gladstone und die Brüder Barclay waren.
Die osmanische Regierung hatte den Bau der Bahnlinie im Rahmen ihrer wirtschaftlichen und politischen Reformbemühungen (Tanzimat) ausgeschrieben. Das Osmanische Reich hatte im Krimkrieg (1853-1856) gesehen, dass sie hinter der technischen Entwicklung der übrigen Großmächte zurückgeblieben waren, es gab nur wenige Straßen, Bahnlinien und Telegrafenlinien. In der Folgezeit versuchte das Osmanische Reich das durch den Ausbau ihres Eisenbahnnetzes aufzuholen. Die Osmanische Regierung (Hohe Pforte) plante den Bau von 3 Bahnlinien: Istanbul-Belowo, Edime-Prowadia und Russe-Warna. Die Bahnlinie Russe-Warna sollte den wichtigen Donauhafen Russe mit dem Schwarzmeerhafen Warna verbinden. Der Schiffsweg von Russe durch das Donaudelta nach Warna war zu lang und lag in Reichweite des Russischen Reiches. So hätte Russland durch militärische Eingriffe den Handel mit Europa stören können. Die türkischen Pläne für den Bau der Bahnlinie Istanbul-Belowo durch das heutige Zentralbulgarien gefielen der englischen Regierung nicht sonderlich, da diese Bahnlinie eher dem Habsburger Reich genutzt hätte. Deshalb machten sich die Engländer für die Bahnlinie Russe-Warna stark. Diese Verbindungsstrecke zur Dobrudscha hatte für die Osmanen eigentlich keine dringende Priorität.
Die Ausschreibungen und Verhandlungen für den Bau der Strecke zogen sich über 2 Jahre hin. Es waren englische und französische Finanzhäuser involviert, aber auch russische und österreichische Investoren gaben ihre Gebote ab. Nach dem Beschluss der Bahnlinie zu bauen und den Auftrag an den Ingenieur Liar zu vergeben, der auch den Streckenverlauf beeinflusst hatte, trat dieser zurück. Angebote von Bulgaren aus Schumen und Istanbul (mit einer damals sehr großen und wohlhabenden bulgarischen Gemeinde) die Strecke zu bauen wurde abgelehnt. So ging der Auftrag und ein Pachtvertrag für 99 Jahre an die Firma der Brüder Barclay.
Der 1.Spatenstich erfolgte am 21.05.1864/02.06.1864. Die Arbeiten begannen gleichzeitig in Warna und Russe. Bis Ende August 1865 waren 160 Kilometer Bahnstrecke gebaut worden. Zum Bau wurden vorwiegend die lokale bulgarische Bevölkerung herangezogen. Auch der Bahnbetrieb erfolgte mit Bulgaren. Für den Bau und den Transport von Materialien und Arbeitern wurden vier kleinere belgische Lokomotiven eingesetzt, je 2 von Warna aus und 2 von Russe aus.
Die Eröffnung der Bahnlinie wurde mehrmals abgesagt. Am 07.11.1866 befuhr Midhat Pascha, der türkische Gouverneur von Russe - Vali des Donau-Vilayets (Tuna vilayeti), die gesamte Strecke und eröffnete sie damit offiziell. Das ist gleichzeitig das Eröffnungsdatum der 1.bulgarischen Eisenbahnstrecke.
Die in die Bahnlinie gesetzten wirtschaftlichen Erwartungen erfüllten sich nicht. Es gab nicht genügend internationale Transportaufträge. Wegen des schlechten technischen Zustandes und der Mängel bei der Bauausführung kam es oft zu Verspätungen und Entgleisungen. Da sich diese Bahnlinie als unrentabel erwies, verkauften die Engländer sie 1869 an das Osmanische Reich. Das Osmanische Reich verkaufte wiederum die Bahnlinie 1874 an Baron Hirsch, der 1873 die 2.bulgarische Bahnlinie baute: Istanbul-Belowo. 1888 wurde die Bahngesellschaft, der die Strecke Russe-Warna gehört, vom bulgarischen Staat gekauft. Dem waren 10-jährige Verhandlungen vorausgegangen, da Bulgarien die Kaufsumme zu hoch war. Wegen der politischen Umstände erklärte sich Bulgarien 1888 dann doch mit der Kaufsumme einverstanden. Bulgarien hatte sich 1885 die autonome osmanische Provinz Ostrumelien wiedereinverleibt, was 1886 durch den Tophane-Vertrag international anerkannt wurde. Ostrumelien war durch den Vertrag auf dem Berliner Kongress (07.1878) von Bulgarien abgetrennt worden. Einige Monate vorher war Bulgarien erst durch den Frieden von San Stefano (03.1878) unabhängig geworden, einschließlich Ostrumelien. In dieser verworrenen politischen Konstellation auf dem Balkan wollte sich Bulgarien die politische Unterstützung Großbritanniens für den Wiederanschluss Ostrumeliens erkaufen und zahlte zähneknirschend den Kaufpreis. Großbritannien wollte wiederum die Wirtschaftsinteressen seiner Unternehmen schützen und gewährte Bulgarien einen Kredit für den Kauf der Bahnstrecke.
Von 1883 bis 1885 befuhr der Orientexpress die Strecke Russe-Warna.
1954 wurde in Russe die Giurgiu-Russe-Freundschaftsbrücke über die Donau eröffnet, womit die Bahnstrecke einen Anschluss nach Rumänien bekam. Bukarest liegt nur 65 Kilometer weiter nördlich.
Heute gehört die Strecke zu den am meisten befahrenen Bahnlinien Bulgariens, die die beiden Haupteintrittspunkte für den Warentransport nach und aus Bulgarien verbindet, einerseits Russe nach Europa und andererseits Warna am größten bulgarischen Schwarzmeerhafen.
  • Bahnlinie Istanbul-Belowo (1870-1888)
1870 beginnt Baron Hirsch mit dem Bau der Bahnlinie Istanbul-Belowo, die 1873 eröffnet wird. Die Strecke ist ein Teilabschnitt des Orientexpresses von Europa nach Istanbul, der ab 1903 als Bagdadbahn weitergeführt wurde.
    • Als Bulgarien 1878 unabhängig wurde (nach dem russischen Befreiungskrieg (1877-1878)), gab es 2 bulgarische Bahnstrecken: Russe-Warna und Belowo-türkische Grenze, mit einem Abzweig Simenowograd-Jambol. Das Streckennetz war 532 Kilometer lang.
    • Am 31.01.1885 verabschiedete das bulgarische Parlament das Eisenbahngesetz, das vorsah, dass die Bahnstrecken in Bulgarien Eigentum des Staates sind und von ihm betrieben werden.
    • 1888 geht auf der Grundlage des Eisenbahngesetzes von 1885 und auf Betreiben der Regierung von Aleksandar Stambolijski, die Bahnlinie Wakarel-Belowo der Witalis-Gesellschaft in staatlichen Besitz über und wird vom Staat betrieben. Ab dem 01.08.1888 wird diese Bahnstrecke auf der vollen Länge Zaribrod-Sofia-Wakarel für den internationalen Verkehr freigegeben.
    • Am 10.08.1888, ein Jahr nach Erlangung der Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich, eröffnet der bulgarische Staat die dem Betreiber abgekaufte Linie Russe-Warna.
  • 1888-2008
    • 1888 wurde mit den Bahnlinien Zaribrod-Sofia-Belowo und Russe-Warna die Bulgarische Staatseisenbahn gegründet.
    • Von 1888 bis 1899 verdreifachte sich das Netz von 384 Kilometer auf 1.044 Kilometer.
    • Vom 20.12.1906 bis zum 31.01.1907 kam es zum 1.allgemeinen Eisenbahnstreik der den 8-Stunden-Tag und verschiedene Sicherheitsvorschriften durchsetzte.
    • 1912 wurde das eigenständige Ministerium für Eisenbahnen, Post und Telegrafie eingerichtet.
    • 1922 wurde die Staatliche Eisenbahnschule gegründet.
    • 1950 wurde der Tag des Eisenbahners eingeführt, der auf den 1.Sonntag im August fällt.
    • 1963 wurde die Linie Sofia-Plowdiw elektrifiziert. Auch wurden 1963 Diesellokomotiven eingeführt.
    • 1964 wurde die 1.zweigleisige Bahnstrecke zwischen Sindel und Warna eröffnet.
    • 1978 wurde die Fähreisenbahnlinie Warna-Illitschiwsk (Ukraine; 16 Kilometer von Odessa entfernt) eingerichtet.
Mit dem Beitritt zur EU mussten die bulgarischen den europäischen Eisenbahnnormen angepasst werden. Zum 01.01.2002 wurde die Bahn in eine Betreiber- und eine Infrastrukturgesellschaft umgewandelt. Das Schienennetz hatte zu diesem Zeitpunkt eine Länge von 4.294 Kilometern bei einem Elektrifizierungsgrad von ca. 63 %.
2008 kam es zu 2 Zugunglücken, die durch Brand ausgelöst wurden. Das 1.Unglück ereignete sich in der Nacht am 28.02.2009 in den frisch renovierten Wagen des Zuges Sofia-Kardam, in der Nähe des Bahnhofs Tscherwen Brjag. Dabei kamen 8 Menschen ums Leben. Die Ursache ist bis heute nicht geklärt, stattdessen wird von offizieller Seite vermutet, dass das Feuer durch ein Gepäckstück eines Gastes ausgebrochen sei. Am 21.07.2008 brach auch ein Feuer im Zug Plowdiw-Sofia aus. Auch im 2.Fall konnte die Ursache für den Brand bis heute nicht geklärt werden.

In Russe wurde 1966 das Transportmuseum eröffnet, das sich der Geschichte des Eisenbahntransportes und der Donauschifffahrt, sowie der Geschichte der Nachrichtenübertragung widmet. Die 3 Ausstellungsthemen wurden symbolisch in einer Plastik dargestellt, die einen Eisenbahner, einen Matrosen und einen Telefonisten zeigt.
Das Transportmuseum befindet sich im Empfangsgebäude des 1.bulgarischen Bahnhofs an der 1866 eröffneten Bahnlinie Russe-Warna. Grundsteinlegung für das Bahnhofsgebäude war am 21.05.1864. Das Bahnhofsgebäude war bis 1956 in Betrieb. Das Gebäude wurde 1974 zum Kulturdenkmal erklärt.
Das älteste Ausstellungsexponat ist eine erhalten gebliebene englische Dampflokomotive aus dem Jahr 1848. Weitere Exponate sind ein Salonwagen "Sultanine", der 1866 in Brüssel gebaut wurde - aus Anlass der Eröffnung der Strecke Russe-Warna. Ebenso sind 2 Salonwagen der bulgarischen Zarenfamilie und Boris III. zu sehen, die 1894 bzw. 1911 in Deutschland gebaut wurden und ein Schlafwagen des Zarenzuges - 1902 in Deutschland gebaut.

Ab April 2008 dürfen Reisende in Schlafwagen und Liegewagen nur noch maximal 3 Gepäckstücke mit einem Gesamtgewicht von 30 Kilogramm kostenlos mitnehmen. Schwereres Gepäck muss seperat aufgegeben und bezahlt werden. Die Maßnahme wurde mit der Erhöhung der Sicherheit des Bahntransportes begründet, wurde jedoch erforderlich, weil Kleinhändler die Nachtzüge in großem Umfang zu Gütertransporten verwendeten.

Um das Überhandnehmen der Schwarzfahrten in den Griff zu bekommen - der Verlust wird auf jährlich 10 Millionen Lewa (ca. 5 Millionen €) geschätzt - griff die Staatsbahn 2008 für einige Tage zu radikalen Kontrollmaßnahmen und besetzte auf besonders betroffenen Strecken (Berufspendelverkehr zwischen Sofia und den Vororten) für mehrere Tage alle Waggontüren in allen Zügen mit Fahrkartenkontrolleuren. So vervielfachte sich der Fahrkartenverkauf auf diesen Strecken.

Anfang 2008 kaufte die Staatsbahn von Siemens 25 Desiro-Triebwagenzüge.

Da das in Ost-West-Richtung verlaufende Balkangebirge Bulgarien in seiner ganzen Länge durchzieht und mit seinen über 2.000 Meter hohen Gebirgskämmen eine natürliche Barriere bildet, gibt es nur wenige Nord-Süd-Bahnverbindungen in Bulgarien, die das Balkangebirge queren:
  • Widin-Sofia (entlang des Flusses Iskar)
  • Gorna Orjachowiza-Stara Sagora (Überquerung des mittleren Balkangebirges nahe dem Schipkapass (1334 Meter hoch))
  • Kardam-Burgas (Überquerung des östlichen Balkangebirges, das nicht sonderlich hoch oder schroff ist)
Für den Transport im Land und für den Transitverkehr haben die Ost-West-Bahnstrecken eine wesentlich größere Bedeutung.
Depots
  • Sofia
  • Plowdiw
  • Warna
  • Burgas
  • Gorna Orjachowiza
  • Stara Sagora
In Sofia und Russe hat die Bahn ein Containerterminal.
Rangierbahnhöfe
  • Russe (12 Richtungsgleise)
  • Warna (24 Richtungsgleise)
  • Gorna Orjachowiza (29 Richtungsgleise)
  • Sofia (32 Richtungsgleise)
  • Burgas (20 Richtungsgleise)
  • Plowdiw (27 Richtungsgleise)
Preisermäßigungen
  • 10 % = beim Kauf von einer Hin- und einer Rückfahrkarte
  • 15 % = für Kleingruppen (3-6 Personen)
  • 20 % = beim Kauf von einer Hin- und einer Rückfahrkarte auf bestimmten Schnellzugstrecken
  • 20 % = für Wochenendausflugskarten (50 Kilometer)
  • 25 % = für Kunden mit Bahnkarten
  • 50 % = für Schüler, Studenten (bis 26 Jahre) und Rentner
  • 75 % = für organisierte Gruppenreisen von Schülern und Studenten (bis 26 Jahre)
  • kostenlose Fahrten für Kinder bis zum 8.Lebensjahr; Invaliden (Behinderte) über 70 %, Kriegsveteranen, Träger des "Tapferkeitsorden", Volksvertreter, Mütter mit vielen Kindern (mindestens 3 unter 18 Jahren - bekommen 1 freie Bahnfahrt pro Jahr)
Mitgliedschaft der bulgarischen Staatsbahn in internationalen Eisenbahnvereinigungen:
  • Internationaler Eisenbahnverband (UIC)
  • Internationales Eisenbahntransportkomitee (CIT)
  • in der South-East Europe Railways Group (SERG)
  • in der Organisation für die Zusammenarbeit der Eisenbahnen
  • Colloboration des services de police ferroviaire et de sécurité (Konferenz für die Sicherheit des Eisenbahntransportes) (COLPOFER)
  • Außerdem bestehen Verträge mit Eurofirma und mit Intercontainer-Interfrigo (ICF)